Was ist E-Mental-Health?

E-Health ist die Anwendung digitaler Hilfsmittel um die Gesundheit des Einzelnen sowie die Gesundheitsfürsorge als System zu unterstützen und zu verbessern. E-Health ist ein umfangreiches Konzept und kann im kompletten Gesundheitssektor eingesetzt werden. Innerhalb der psychischen Gesundheitsfürsorge wird E-Health auch E-Mental-Health genannt. Auch Hausärzte können E-Mental-Health bei der Behandlung psychischer Probleme einsetzen. E-Mental-Health bezieht sich also auf die Anwendung digitaler Hilfsmittel zur Unterstützung und Verbesserung der Behandlung von psychischen Beschwerden. Darunter fallen u.a.  Gesundheitsapps, Webseiten mit Gesundheitsinformationen und Videosprechstunden mit einem Behandelnden. E-Mental-Health kann für Prävention, Diagnostik, Behandlung, Effekt- und Verlaufsmessung sowie Nachsorge eingesetzt werden.

E-Mental-Health in der Prävention

E-Mental-Health kann helfen, psychischen Störungen und Beschwerden vorzubeugen. E-Mental-Health mit dem Fokus auf Prävention existiert in verschiedenen Formen, beispielsweise in Form von allgemein zugänglichen Websites mit psychoedukativen Inhalten, Selbsttests, Behandlungsprogrammen mit und ohne Unterstützung durch eine Fachkraft. So gibt es beispielsweise verschiedene Apps und Online-Selbsthilfeprogramme, die Betroffenen dabei helfen können, ihren Alkoholkonsum einzuschränken. Indem bereits in einer frühen Phase niedrigschwellige Formen von Online-Hilfe angeboten werden, können Beschwerden schon früh angegangen werden, womit wiederum vorgebeugt werden kann, dass diese sich zu ernsthaften Problemen entwickeln.

“E-Mental Health kann helfen, psychischen Störungen und Beschwerden vorzubeugen.”

E-Mental-Health in der Diagnostik

Psychologische Testverfahren und strukturierte Interviews werden häufig angewendet um die Art und den Schweregrad psychischer Erkrankungen zu bestimmen. E-Mental-Health kann diesen diagnostischen Prozess unterstützen. Der Diagnostiker kann dabei digitalisierte Versionen allgemeiner psychologischer Symptomchecklisten oder spezialisierter Testverfahren verwenden. Die Testverfahren werden online auf der E-Health Plattform angeboten. Behandler können Patienten über die Plattform Einladungsmails schicken um die Tests auszufüllen. Der Patient empfängt eine E-Mail mit einem einzigartigen Link, über den die Tests ausgefüllt werden können. Für anonyme Testabnahmen, ohne Verwendung einer E-Mail-Adresse oder sonstigen personenbezogenen Patientendaten, gibt es außerdem die Möglichkeit statt der Einladungsmail einen Login-Code auszudrucken und dem Patienten in physischer Form zu überreichen. Nachdem die Tests ausgefüllt wurden, werden sie automatisch ausgewertet und dem Behandelnden stehen diverse Darstellungen der Ergebnisse sowie Exportmöglichkeiten zur Verfügung. Die Ergebnisse werden unter anderem tabellarisch und grafisch dargestellt, sodass sie besser veranschaulicht werden und die Interpretation vereinfacht wird.

E-Mental-Health zur Behandlung

E-Mental-Health kann in einer Behandlung für Menschen mit psychischen Beschwerden eingesetzt werden. Dieses Anwendungsgebiet von E-Mental-Health umfasst unter anderem digitale Behandlungsprogramme, zum Beispiel für Schlaf oder Depression. Solche Behandlungsprogramme existieren oft in Form von psychoedukativen Texten und Videos kombiniert mit Übungen, Ratschlägen sowie Tests. Digitale Behandlungsprogramme können mit oder ohne Unterstützung durch eine Fachkraft angeboten werden. Bei der Einführung von E-Mental-Health, am Anfang dieses Jahrhunderts, wurden vor allem Programme ohne Begleitung (Selbsthilfe) angeboten. Damals firmierte der Ansatz noch unter dem Begriff „Telemedizin“. Doch ohne die Anwesenheit eines Behandelnden war die Therapieadhärenz meist niedrig und viele Patienten haben die Behandlungen nicht abgeschlossen. In den letzten Jahren gibt es deswegen eine deutliche Präferenz für eine Kombination von regulärer (Face-to-Face) Gesundheitsfürsorge und E-Mental-Health. Diese Form der Behandlung wird auch ‚Blended Care‘ genannt. ‚Blended Care‘ bedeutet eine Kombination von Face-to-Face Gesprächen und Online-Interventionen, wobei die Online-Interventionen und Face-to-Face Gespräche nicht getrennt, sondern miteinander verbunden werden. Die Online-Interventionen werden angemessen und individuell passend zur Behandlung ausgewählt, sie können flexibel eingesetzt werden. Bei ‚Blended Care‘ können digitale Behandlungsprogramme völlig oder zum Teil unter Begleitung angeboten werden. Es können aber auch einzelne, gesonderte E-Health-Inhalte zur Unterstützung einer regulären Behandlung bereitgestellt werden, wie zum Beispiel ein Video mit einer Erklärung über ein bestimmtes Behandlungsverfahren oder eine Störung, eine Mindfulness Übung oder ein digitales Tagebuch.

“Bei Blended Care sind die Online-Interventionen und Face-to-Face Gespräche nicht getrennt, sondern werden miteinander verbunden.”

E-Mental-Health für die Therapieevaluation, Effekt- und Verlaufsmessungen

E-Mental-Health kann auch eingesetzt werden um den Verlauf der Beschwerden eines Patienten über einen bestimmten Zeitraum zu erfassen, beispielsweise vor, während und in verschiedenen Abständen nach einer Behandlung. Dies hilft unter anderem dabei, Behandlungen zu evaluieren, Therapieerfolge, Verschlechterungen und Verbesserungen in der Symptomatik, sowie den Verlauf der Beschwerden nach Abschluss der Behandlung festzustellen. E-Mental-Health ist für die Implementierung solcher Effekt- und Verlaufsmessungen von besonderer Bedeutung, denn es ermöglicht die effiziente und komfortable Abnahme der Testverfahren, die für diese Messungen benötigt wird. Es können somit auf eine einfache und schnelle Art und Weise auch schon vor Beginn einer Behandlung sowie danach Testverfahren abgenommen werden. Wenn mehrmals zu verschiedenen Messzeitpunkten derselbe Test bzw. dieselben Tests abgenommen und miteinander verglichen werden, können Veränderungswerte berechnet und Behandlungserfolge dargestellt werden. Mittels Zwischenmessungen können Behandler entscheiden, ob eine Anpassung der Behandlung nötig ist. Eine bestimmte Form der Verlaufsmessung ist das sogenannte Tracking. Beim Tracking wird nach jedem Kontakt mit dem Patienten, beispielsweise nach jeder Therapiestunde, ein kurzer Test abgenommen, der die Patientenerfahrung (zum Beispiel über die Behandlung oder die therapeutische Beziehung) erfasst. Außerdem gibt es Möglichkeiten der Auswertung und des Exports der Ergebnisse mit Statistiken über bestimmte Gruppen von Patienten.

Dieses Einsatzgebiet von E-Mental-Health umfasst außerdem die Erfassung der Klientenzufriedenheit. Dafür gibt es spezielle Fragebögen. Die Antworten bestimmter Gruppen von Patienten in einem bestimmten Zeitraum bieten einen Einblick in die Zufriedenheit der betreffenden Patientenpopulation.

E-Mental-Health zur Nachsorge

E-Mental-Health kann auch im Anschluss an die Behandlung, im Rahmen der Nachsorge, wichtig sein. In vielen Situationen ist Patienten auch nach Ende der Therapie der Zugang zu ihrem Nutzerkonto gestattet, sodass sie weiterhin ihre Psychoedukation, Übungen und Tagebücher, die während der Behandlung eingesetzt wurden, benutzen können. Viele Behandlungsprogramme enden sogar mit einem Modul, das speziell auf die Vorbeugung eines Rückfalls und auf Nachsorge fokussiert ist. Der Patient bekommt unterschiedliche Tipps um auch nach der Behandlung ein gesundes Leben zu führen.