Welche Möglichkeiten bietet E-Mental-Health?

E-Mental-Health ist ein breites Konzept und die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig. E-Mental-Health kann die Gesundheitsfürsorge verbessern, das Behandlungsangebot erweitern und die Kosten im Gesundheitswesen reduzieren. Außerdem kann E-Mental-Health die Zugänglichkeit der Gesundheitsfürsorge verbessern, das Einsatzgebiet erweitern und die Regie und Selbsthilfe der Patienten vergrößern. Der Grad, in dem E-Health Vorteile bietet ist sehr subjektiv und von den Bedürfnissen, Kenntnissen und der Erfahrung des Behandelnden und des Patienten abhängig. Im Folgenden widmen wir uns der Frage: Welche Möglichkeiten bietet E-Mental-Health? Außerdem besprechen wir einige Anwendungsmöglichkeiten.

Die Gesundheitsfürsorge wird effizienter

Das Ausfüllen eines digitalen Tests mit einem Computer oder Handy geht in der Regel schneller als wenn der gleiche Test mit Papier und Stift abgenommen wird. Außerdem geht die Auswertung sehr viel schneller, ist sehr viel genauer und weniger fehleranfällig als eine manuelle Auswertung. Es gibt eine Vielfalt an E-Health Werkzeugen, die die Gesundheitsfürsorge verbessern und effizienter machen. In Studien konnte gezeigt werden, dass Behandelnde insbesondere an einer Plattform mit flexibel einsetzbaren, digitalen Elementen interessiert sind. Gerade psychische Erkrankungen sind oft zu komplex, um in einem fixen Protokoll zusammengefasst und behandelt zu werden. Bestimmte Elemente einer Behandlung, beispielsweise Online-Hausaufgaben, Tagebücher und Psychoedukation können sehr gut auf einer Online-Plattform durchgeführt werden. Beim Face-to-Face Kontakt gibt es dann mehr Raum für die eigentliche Therapie. Je nach Schweregrad der Beschwerden und verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten, beispielsweise bei leichten psychischen Beschwerden in einer hausärztlichen Behandlung, können größere Teile der oder sogar die komplette Behandlung online angeboten werden. Doch welche Möglichkeiten bietet E-Mental-Health konkret? Es gibt zahlreiche Beispiele in denen E-Mental Health die Gesundheitsfürsorge effizienter machen kann. Einige dieser Beispiele werden im Nachfolgenden zusammen mit weiteren Möglichkeiten von E-Mental-Health besprochen.

Kommunikation ist unabhängig von Ort und Zeit

Bei einer Face-to-Face Behandlung sind Therapeut und Patient physisch im selben Raum. Bei einer Online-Konsultation, wobei Videosprechstunden und -konferenzen eingesetzt werden, brauchen die Patienten nicht aus dem Haus zu gehen und sparen sich somit Reise- und Wartezeit. Die Versorgung ist damit nicht mehr standortgebunden. Internetverbindungen sind allerdings nicht immer stabil. Hiermit soll man rechnen, wenn man Videosprechstunden und -konferenzen einsetzen möchte. Beim Versand von (Chat-) Nachrichten, ist die Versorgung nicht nur raum- sondern auch zeitunabhängig. Dies bietet Vorteile und Nachteile. Ein Nachteil des Nichtvorhandenseins des Face-to-Face Kontakts ist, dass die nonverbale Kommunikation (wie zum Beispiel Verhalten, Motorik und Gesichtsausdrücke) fehlt. Dies kann zur Folge haben, dass der Therapeut wichtige Informationen verpasst. Wir sollten allerdings nicht unterschätzen, dass das Umgekehrte auch der Fall sein kann: Face-to-Face Kontakt kann den Therapeuten auch in die falsche Richtung weisen, zum Beispiel anhand der Vorurteile jemandes Aussehens. Ein wichtiger Vorteil des Schreibens von Nachrichten ist, dass man die Texte aufbewahren und zu einem späteren Zeitpunkt aufs Neue lesen kann. Da das Schreiben nicht gleichzeitig stattfinden muss, herrscht große Flexibilität, Patienten und Therapeuten können einander in dem Moment Nachrichten schicken, der ihnen am besten passt. Der Patient hat auf diese Art und Weise mehr Raum zum Überlegen und mit Anderen Rücksprache zu halten, bevor er oder sie eine Antwort gibt. Dies gilt natürlich auch für den Therapeuten.

“Es gibt zahlreiche Beispiele in denen E-Mental-Health die Gesundheitsfürsorge effizienter machen kann. ”

Gefühl von Anonymität macht Patienten offener

Bei geschriebenen Nachrichten sehen Therapeut und Patient einander nicht, was dem Kontakt eine andere Dimension verleiht. Ein Nachteil vom Schreiben ist, dass es oft viel Zeit in Anspruch nimmt. Außerdem kann durch eine falsche Interpretation auch Fehlkommunikation entstehen, die nicht schnell behoben werden kann, weil der Kontakt nicht gleichzeitig stattfindet. Dass man den Gesprächspartner nicht sieht, hat aber auch positive Seiten. Es entsteht nämlich ein Gefühl von Anonymität, wodurch der Patient sich keine Sorgen über das Aufweisen gesellschaftlich wünschenswerter Antworten machen muss. Patienten neigen dadurch dazu offener und ehrlicher zu antworten und kommen schneller zum Kern des Problems. Situationen die man oft als zu schmerzvoll oder unangenehm erfährt um in einem Face-to-Face Gespräch zu besprechen, tippt man öfter leichter an einem Computer oder Handy. Außerdem führt das Schreiben oft zu einem besseren Einblick, zu Selbstreflexion sowie Gefühlen der Kontrolle und des Selbstwerts. Verschiedene Studien zeigen, dass das Schreiben über unangenehme Ereignisse zur emotionalen Verarbeitung beiträgt.

Niedrigschwelliger Zugang zur Gesundheitsfürsorge

E-Health kann die Versorgung niedrigschwelliger machen. Dadurch, dass Patienten auch außerhalb des regulären Kontakts mit Behandelnden an ihren Beschwerden arbeiten können, bietet sich für sie eine völlig neue und kontinuierlich verfügbare Versorgung. Mit E-Mental-Health kann der Patient zu jedem Zeitpunkt, von jedem gewünschten Standort aus an seinen Beschwerden arbeiten. Auf diese Art und Weise hört die Behandlung nicht an der Tür des Behandlungsraums auf. Zum Beispiel mit dem Einsatz eines Tagebuchs können Klienten ihre Gedanken und ihr Verhalten kontinuierlich registrieren um Einsicht in die Beschwerden und Ereignisse, die dies beeinflussen, zu bekommen. Informationen können vollständiger und genauer gesammelt werden, weil die Daten im selben Moment und in der persönlichen Umgebung des Patienten gesammelt werden. Weiterhin bietet E-Mental Health die Möglichkeit, Feedback auf Distanz zu geben, zum Beispiel wenn ein Patient ein digitales Arbeitsblatt ausgefüllt hat. Da es mehr Feedbackmomente gibt, gibt es für den Patienten außerdem mehr Raum zur Selbstreflexion. E-Health kann auch eine Lösung für Menschen bieten, die sich unbequem dabei fühlen, nach Hilfe für (bestimmte) psychische Probleme zu fragen. Scham kann dazu führen, dass Menschen Hilfsangeboten aus dem Weg gehen, wodurch sich die Beschwerden verschlimmern können. Online Hilfsangebote können die Schwelle, nach Hilfe zu suchen und eine Behandlung zu starten, reduzieren.

Patienten merken sich wichtige Informationen besser

Tatsache ist, dass Patienten sich nur einen kleinen Teil der Informationen, die sie während der Behandlung erhalten, merken (können). E-Health hat zum Vorteil, dass Patienten sich die Informationen zu jedem Zeitpunkt wiederholt anschauen können. Auf diese Art und Weise können Patienten sich die Informationen, beispielsweise in standardisierten psychoedukativen Videos und Texten, besser merken. Ein weiterer Vorteil von Online-Psychoedukation ist, dass der Patient ausreichend Zeit zur Verfügung hat, um die Informationen zu verarbeiten und sich Fragen dazu auszudenken. Hierdurch verläuft das Gespräch mit dem Patienten während des Face-to-Face Kontakts zielgerichteter und effektiver, Wiederholungen wird vorgebeugt, es entsteht mehr Tiefgang und es gibt mehr Zeit und Raum für Themen, die wirklich wichtig sind und für die menschliche Interaktion notwendig ist.